Buddhismus

Jesus im Buddhismus


Mit Jesus tut sich der Buddhismus schwer. Am ehesten kann Jesus als ein Wesen verstanden werden, das schon Erleuchtung erreicht hat, aber auf den Eingang ins Nirwana verzichtet, um sich den Unerleuchteten zuzuwenden. Eine gewisse Nähe findet sich zu Paulus, wenn dieser vom Sein in Christus spricht, und zum Johannesevangelium mit seiner Logos-Vorstellung.


Das Lebensrad des Buddhismus stellt die buddhiste Lehre in ihrer Urform dar. Das Ziel des Buddhismus ist es, in den Bereich des Menschen reinkarniert zu werden, denn nur dann ergibt sich die Möglichkeit, die Buddha-Botschaft (Dharma) zu hören und zu praktizieren, mit dem Ziel, aus diesem Rad endgültig auszusteigen und ins Nirvana einzugehen. Ziel ist also der Ausstieg aus dem Kreislauf des Samsara, der Trugwelt. Ziel ist das Verlöschen, Sich-Auflösen wie ein Tropfen im Ozean. Nirvana wird meist, wegen der Undenkbarkeit, negativ umschrieben. Götter sind dem Menschen unterlegene Wesen. Buddhisten können Jesus nur als wahren Menschen anerkennen, aber nicht als wahren Gott, denn ein Gott wäre selber erlösungsbedürftig.

Jesus, der wahre Mensch

Die Kraft Jesu


Lama Thubten Yeshe (1935-1983): "Die gleiche Art von Kraft, über die Jesus verfügte, können wir nach und nach auch in uns entwickeln und schließlich völlig erreichen. Glaubt nicht, wir seien nur kleine, unbedeutende Geschöpfe, während Jesus und Gott etwas anderes seien. Es besteht überhaupt kein Unterschied zwischen dem heiligen Geist, Jesu Christo, dem transzendenten Charakter der Gottesnatur und der letztlichen Natur unseres eigenen Geistes." (Lama Thubten Yeshe, Gedanken eines tibetischen Lama über Weihnachten, Berlin 2000, S.41) Der Lama stellte sogar eine Jesus-Meditation vor. Es fällt allerdings auf, dass wiederum das Kreuz völlig ausgeblendet wird. Immerhin äußerte einmal Thich Nhat Hanh, der auch schon auf evangelischen Kirchentagen aufgetreten ist, die verständnisvolle Meinung, er glaube, dass der Buddha, wenn er in die Gesellschaft hineingeboren wäre, in die Jesus hineingeboren wurde, ebenfalls gekreuzigt worden wäre. (Thich Nhat Hanh, Lebendiger Buddha, lebendiger Christus, München 1995, S.77)



Verschiedenheit


Der Dalai Lama (geb. 1935), Friedensnobelpreisträger von 1989, hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es falsch wäre, immer wieder zu behaupten die Religionen wären nur verschiedene Sprachen für im Wesenskern gleich REligionen. "Wenn Sie Christ sind, ist es besser, sich innerhalb Ihrer Religion spirituell zu entwickeln und ein echter, guter Christ zu sein. Falls Sie Buddhist sind, seien Sie ein echter Buddhist. Nicht halb dies und halb das! Letzteres kann in Ihrem Geist nur Verwirrung anrichten." (Dalai Lama, Das Herz aller Religionen ist eins, 1996, S.17)

Der Japaner Daisetz Teitaro Suzuki (1870-1966) formulierte sehr steil: "Immer wenn ich ein Bild des gekreuzigten Christus sehe, muss ich an die tiefe Kluft denken, die zwischen Christentum und Buddhismus liegt. Das persönliche Ich wird im Westen stark betont. Im Osten gibt es kein Ich. Das Ich ist nicht-existent, und daher gibt es kein Ich, das man kreuzigen könnte." (Daisetz Teitaro Suzuki, Der westliche und der östliche Weg, Frankfurt a.M. 1988, S.121) Tatsächlich sind es mehr Menschen aus dem Westen, die den Buddhisten studieren als umgekehrt Buddhisten das Christentum. Dort wo sie mit der christlichen Mission in China konfrontiert wurden, wuchs ihr Widerstand an der christlichen Ablehnung der Reinkarnation, der Behauptung einer unsterblichen Seele, der Erlaubnis zum Töten von Tieren und dass Jesus wie ein Verbrecher die Todesstrafe erlitten habe. "Dass Christus aufrecht am Kreuz starb, während Buddha liegend verschied - symbolisiert das nicht den fundamentalen Unterschied zwischen Buddhismus und Christentum?" (D.T.Suzuki, S.128)

Im Gespräch mit Christen sagte Bhikku Buddharakkhita, ein Vertreter des ursprunglichen Buddhismus auf Sri Lanka: "Jesus ist nicht Buddha. Buddha ist ein großer Lehrer, aber kein Gott wie Jesus. Buddha ist unser Vorbild, nicht ein Erlöser wie Jesus. Beide können nicht verglichen werden." (H.G.Pöhlmann, Begegnung mit dem Buddhismus, Frankfurt 1998, S.22)

Mit dem lebendigen Jesus ergibt sich für Buddhisten ein Paradox: Die Tatsache, dass Jesus den Christen heute noch erscheint, zeigt offenbar, dass er noch nicht vom Schicksal der Wiedergeburt befreit ist und noch nicht im Nirvana ist, dem Ort der Freiheit. Dieser Ort erscheint wiederum vielen Christen überhaupt nicht erstrebenswert, denn sie wünschen sich ein ewiges Leben, Gottes Reich oder ein Wohnen bei Gott. Buddhisten stattdessen ein Verwehen im Nirvana.


SIMON PETRUS TJAHJADI

SIMON PETRUS TJAHJADI

Ich bin in Indonesien als Buddhist geboren, in einer muslimischen Umgebung aufgewachsen und war auf einer evangelischen Schule. Vielleicht fing ich deshalb schon früh an, mich für Religion zu interessieren.


Die Religion meiner Kindheit

Ich beschäftigte mich mit Buddha, unserer religiösen Hauptfigur. Er war ein Prinz, der, wie er selbst schreibt, sehr verwöhnt in seinem Palast aufwuchs. Als er Kontakt mit den Menschen ausserhalb der Palastmauern bekommt und das Elend sieht, ist er zutiefst erschüttert. Daraufhin kehrt er seiner bisherigen, luxuriösen Welt den Rücken. Als Einsamer unter Einsamen versucht er, den Weg zur Erleuchtung zu gelangen. Bis zu seinem Tod erfährt er Ehren, Harmonie und Gelassenheit. Mit 80 Jahren stirbt er, umgeben von seinen Jüngern, an einer Lebensmittelvergiftung. Bis heute wird er oft als ein friedlich lächelnder Mann dargestellt - ein Mann, der das vollkommene Nirvana erreicht hat.

Wie anders erschien mir dieser Jesus, der leidend am Kreuz dargestellt wird. Auch über ihn wollte ich mehr wissen, und so freundete ich mich mit einem Jesuitenpriester aus Österreich an.


Jesus, der Mann am Kreuz

Durch den Priester erfuhr ich, dass Jesus das Kreuz mit den Leiden und Schmerzen nicht gesucht hat. Dass er es aber auf sich nahm, um das Heil Gottes für alle Menschen zu erwirken. Als der Gesandte Gottes trachtete er danach, alle Menschen zu Gott zu bringen und Gottes Liebe erfahrbar zu machen.

Sein ganzes Leben zeigt diese Bestimmung. Um Gottes Liebe vorzuleben, solidarisierte er sich mit allen Armen und Ausgeschlossenen - denen, die damals wenig galten. Er beendet sein Leben grausam am Kreuz. Alleingelassen von seinen Jüngern, aber getragen von Gott, den er Vater nannte. Er wird auferweckt und kehrt zu Gott zurück. Christen glauben, dass er der Sohn Gottes ist, der für Gottes Wirken auf Erden gekämpft hat.


Ein Vergleich

Es berührte mich, wie unterschiedlich Buddha und Jesus sind. Anders als bei Buddha, ist für Jesus die Welt nichts Nichtiges, die es zu durchschauen und aus der es sich zurückzuziehen gilt. Bei Jesus gab es keine Suche nach einer «Privat-Erlösung». Bei ihm gab es keine Abkehr von der Welt, sondern eine Hinwendung zur Welt, für ihre Erlösung.

Jesus war also nicht nur der Sohn Gottes, wie die Bibel schreibt. Er ist der Sohn Gottes für mich. Er vermittelt mir ein Gottesbild mit menschlichem Antlitz und einem Herzen. Tief in mir spürte ich, dass ich zu Jesus gehören will. Mit 16 Jahren liess ich mich taufen und wurde Christ.

Heute bin ich katholischer Priester. Bei allem Respekt  vor Buddha und meiner ehemaligen Religion, bin ich froh und glücklich, dass ich Christ werden konnte. Weil dieser Glaube mich stärkt. Für mich ist Jesus der Massgebende. In seiner Nachfolge vermag ich wahrhaft menschlich zu handeln und auch zu leiden. Nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben. Als Christ darf ich das Leben bejahen, in welcher Situation ich auch sein mag.

Miriam Hinrichs

Datum: 29.08.2014 
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Livenet / © kath.net - Katholische Internetzeitung